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Was Unternehmer in Zeiten von Corona tun können

Selbstständige sind jetzt besonders von den wirtschaftlichen Auswirkungen durch Corona betroffen. Ihnen brechen massenweise Aufträge weg. Um Arbeitsplätze und Unternehmen zu stützen und um den sozialen Zusammenhalt zu bewahren, bringt die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket von historischem Ausmaß auf den Weg. Finden Sie hier die wichtigsten Details dazu und weitere Maßnahmen, die Sie sonst noch ergreifen können.

Corona-Selbsthilfe für Selbständige und Freiberufler

Selbstständige und Unternehmer können einige kurzfristige Maßnahmen ergreifen, um größeren Schaden abzuwenden:

  • Liquiditätsplan erstellen: Prüfen Sie was rein geht, was raus geht und wie lange Sie ohne Aufträge überleben können. Planen Sie Ihre Kontoauszüge voraus. 
  • Prüfen Sie auch, ob laufende Ausgaben gesenkt bzw. ausgesetzt werden können. Sprechen Sie mit Vermietern und Kreditgebern und bitten um Stundungen.
  • Überlegen Sie auch, ob Sie kurzfristig Ihr Geschäftsmodell an die neue Situation anpassen können: manche Restaurants beliefern jetzt ihre Gäste, viele Unternehmen bieten ihr Produkt jetzt digital an oder Kleidungshersteller nähen Mundschutzmasken. Vielleicht finden Sie eine kreative Möglichkeit, wenigstens kleine Umsätze zu erwirtschaften. Erkennen Sie Bedarfe und erkennen Sie neue Chancen.
  • Erkundigen Sie sich über Überbrückungskredite und ob Sie einen beantragen können. Halten Sie Rücksprache mit Gründungsberatern und Ihrer Bank.  Aber bedenken Sie, dass sich die Liquiditätsproblematik damit verschiebt und Sie unbedingt sicherstellen müssen, den Kredit zurückzahlen zu können.
  • Stellen Sie Ihre Unterlagen zusammen - Umsätze, Einbußen (durch Corona bedingt) und Zahlungen, die demnächst anliegen, etc. So sind Sie optimal vorbereitet und können kurzfristige Zuschüsse beantragen. Erkundigen Sie sich täglich, wann Sie die Hilfsprogramme beantragen können und gehören Sie zu den ersten, wenn es soweit ist.
  • Wer als Solo-Selbständiger auf Antrag in der Arbeitslosenversicherung ist, kann Arbeitslosengeld I beantragen, sofern Sie sich bereits jetzt absehbar für längere Zeit in existenzbedrohlichen Situation befinden. Selbstständige ohne freiwillige Arbeitslosenversicherung bekommen Arbeitslosengeld II. Das Arbeitsministerium hat hierfür erleichterte Zugänge angekündigt. Selbstständige können auch prüfen, ob sie die Bedingungen für Wohngeld erfüllen.

 

Corona-Direkthilfen der Bundesregierung

Der Bund will 40 Mrd. € für Klein- und Kleinstunternehmer zur Verfügung stellen. 10 Mrd. sollen direkte Transferleistungen für in Not geratene Solo-Selbstständige sein. Die restlichen 30 Mrd. Euro werden als Darlehen vergeben. Alle Anträge werden zeitnah bewilligt, eine Bedarfsprüfung erfolgt erst im Nachgang.

 

Die Höhe des Zuschusses richtet sich nach der Zahl der Beschäftigten:

  • 1-5 Beschäftigte: Einmalzahlung von bis zu 9.000 € für drei Monate
  • 6-10 Beschäftigte: Einmalzahlung von bis zu 15.000 € für drei Monate

Der Zuschuss muss nicht zurückgezahlt werden.  

 

Außerdem wird Selbständigen der Zugang zur Grundsicherung erleichtert. Ferner stehen für mittelgroße und große Unternehmen Kreditangebote und Schutzfonds zur Verfügung.   

Schutzschild der Bundesregierung:

Am Freitag, dem 13. März, haben das Bundesfinanzministerium und das Bundeswirtschaftsministerium den sog. Schutzschild für Beschäftigte und Unternehmen beschlossen. Finden Sie hier das ganz Papier.

 

Dieser Schutzschild beruht auf vier Säulen:

  • Erleichterung der Kurzarbeit
  • Flexibilität der Steuern (Liquiditätshilfe)
  • KfW-Kredite in Milliardenhöhe
  • Europäischer Zusammenhalt (hier geht es um die internationale Bekämpfung der Infektionsverbreitung und die Stärkung der europäischen Banken im Zuge der ‚Corona Responsive Initiative‘.)

 

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag bietet weitere Informationen zum Umgang mit dem Coronavirus an. 

Finden Sie weiter unten in diesem Artikel weitere Infos zu den einzelnen Säulen. 

  

 

Zusätzlich haben die Bundesländer eigene Hilfsprogramme für betroffene Unternehmen, Selbständige, Freiberufler und -zum Teil auch für Künstler- aufgelegt. Vielfach werden Soforthilfen in Form von direkten Zuschüssen gezahlt, die in der Regel nicht zurückerstattet werden müssen, Infos dazu finden Sie hier: 

Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld

Die Agentur für Arbeit zahlt Kurzarbeitergeld, wenn nicht mehr genügend Aufträge vorhanden sind um die Mitarbeiter gemäß ihrer arbeitsvertraglich vereinbarten Arbeitszeit auszulasten. So soll verhindert werden das temporäre Auftragsschwankungen wie in der Corona-Krise nicht sofort zur Entlassung der Arbeitnehmer führen.

 

Berechnet wird das Kurzarbeitergeld nach dem Netto-Entgeltausfall. Die Beschäftigten erhalten grundsätzlich 60 % der Nettoentgeltdifferenz. Lebt ein Kind im Haushalt sind es 67 %. Kurzarbeitergelt ist auf maximal 12 Monate begrenzt. Erleichterungen bei der Kurzarbeit in der Corona-Krise: Vor der Corona-Pandemie wurde der Antrag auf Kurzarbeitergeld nur genehmigt, wenn mindestens ein Drittel der Beschäftigten keine Arbeit mehr hatte. Nun reichen 10 % der Beschäftigten aus (die von einer Kürzung um mind. 10 % des Bruttogehalts betroffen sein müssen), um den Zuschuss zu beantragen. Wichtig ist, dass es sich um eine vorübergehende und nicht vermeidbare Maßnahme handelt. Mit anderen Worten müssen alle anderen Optionen wie Urlaub, Überstundenabbau und Home-Office ausgeschöpft sein. Mehr Informationen zum Kurzarbeitergeld finden Sie auf der Website der Arbeitsagentur, wo der Antrag eingehen muss. Dies ist auch online möglich.  

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Liquiditätshilfen

Im Zuge der Corona-Krise sollen Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler durch Sonderregelungen bezüglich der Steuerzahlungen entlastet werden. Dazu können Finanzämter folgende Maßnahmen zulassen:

  • Anträge auf Herabsetzung oder Aussetzung laufender Vorauszahlungen zur Einkommenssteuer bzw. Körperschaftssteuer.
  • Stundung fälliger Steuerzahlungen: Finanzämter können hier in Teilen oder komplett auf die Stundenzinsen von 0,5 % pro Monat verzichten, wobei das Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit durch die Corona-Pandemie belegen muss.
  • Erlass von Säumniszuschlägen
  • Verzicht auf Vollstreckungsmaßnahmen bis zum 31.12.2020
  • vollständige Erstattung der Sozialbeiträge ausgefallener Arbeitsstunden. Allerdings entscheidet hierbei nicht das Finanzamt, sondern die Krankenkasse im Einzelfall.
  • keine Außenprüfungen oder Steuerprüfungen bei Unternehmern in betrieblichen Räumen 

 

Es gibt keine einheitliche Regelung auf Bundesebene, so dass ein enger und frühzeitiger Kontakt mit dem zuständigen Finanzamt unerlässlich ist. Bitte nehmen Sie auf keinen Fall eigenmächtig Kürzungen vor oder setzen Zahlungen aus - besprechen Sie Maßnahmen und Möglichkeiten vorher unbedingt. 

 

 

Kredite der KfW-Bank und der Landesbanken

Bundesfinanzminister Olaf Scholz bestätigte am Freitag, dem 13. März, dass die Überbrückungshilfen zur finanziellen Absicherung in der Coronakrise keinen Kreditrahmen haben sollen. Bislang gibt es noch keinen gesonderten KfW-Corona-Kredit, doch andere Förderprogramme, die Unternehmern zu gesonderten Konditionen die Liquidität in der Krise garantieren sollen.

Auch die Landesbanken stellen bislang noch kein Corona-spezifisches Förderprogramm zur Verfügung, zumal sich die Angebote in den einzelnen Bundesländern unterscheiden. Zum Beispiel bietet die Landesbank Baden-Württembergs Liquiditätskredite an, während die Förderbank in Bayern Universalkredite, Akut-Kredite oder Ausfallbürgschaften für Kredite der Unternehmer anbietet. Die Übersicht der Förderbanken finden Unternehmer in der sogenannten Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

 

 

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Europäischer Zusammenhalt

Da die Auswirkungen des Coronavirus nicht nur Deutschland betreffen, ist eine Koordination auf internationaler Ebene nötig. Die Eurogruppe hat sich bereits auf ein erstes Maßnahmenpaket verständigt und Bundesfinanzminister Olaf Scholz bleibt mit den europäischen Partnern weiter im Austausch. Gespräche laufen darüber hinaus auch auf G7- und G20-Ebene. Die G7-Finanzminister und Notenbankgouverneure (Link auf Englisch) erklärten, alles Erforderliche zu tun, um Vertrauen und wirtschaftliches Wachstum wiederherzustellen und Arbeitsplätze, Unternehmen und die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems zu schützen. 

 

Die Deutsche Regierung plant ihre Maßnahmen mit anderen europäischen Regierungen zu verzahnen und begrüßt das Vorhaben der EU-Kommission, eine „Coronavirus Response Investment Initiative“ mit einem Volumen von 25 Milliarden Euro einzurichten. Weitere Informationen hierzu folgen.